12. Feb. 2026 • Allgemein 

BGG-Reform: Kein wirksamer Diskriminierungsschutz, dafür mehr Rechtsunsicherheit (Pressemitteilung advd)

Pressemitteilung des Antidiskriminierungsverbands Deutschland (advd)

BGG-Reform: Kein wirksamer Diskriminierungsschutz, dafür mehr Rechtsunsicherheit  

Der  im Bundeskabinett beschlossene Entwurf zur Reform des  Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) bleibt deutlich hinter den  Erwartungen zurück: Statt die UN-Behindertenrechtskonvention konsequent  umzusetzen und private Unternehmen verbindlich zur Barrierefreiheit zu  verpflichten, setzt der Entwurf auf unverbindliche Einzelfalllösungen.  

Selbst geringfügige Anpassungen können als unzumutbar abgelehnt werden,  wirksame Sanktionen und Entschädigungsansprüche fehlen. Dadurch bleibt  das Diskriminierungsverbot gegenüber privaten Anbietern in der Praxis  schwach. Für viele Menschen, die seit Jahren für Barrierefreiheit und  eine inklusive Gesellschaft kämpfen, wird sich im Alltag kaum etwas  verbessern.   

Zudem  schafft der Gesetzentwurf neue Unsicherheiten für Betroffene. Die  Regelungen zu angemessenen Vorkehrungen überschneiden sich mit  bestehenden Diskriminierungsschutzvorschriften - insbesondere mit dem  Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) - ohne das Verhältnis klar zu  bestimmen. Unklar bleibt auch,  welche Ansprüche in welchen Konstellationen greifen, welche Fristen  gelten und welche Rechtsfolgen durchsetzbar sind. Statt Rechtssicherheit  entsteht ein schwer durchschaubares Nebeneinander von Regelungen –  zulasten derjenigen, die ihre Rechte geltend machen wollen. 

Eine  inklusive Gesellschaft braucht klare, kohärente und durchsetzbare  Regelungen. Verwässerte Rechtsansprüche auf dem Papier, die folgenlos  bleiben, sind das Gegenteil.  Der advd fordert den Bundestag auf, den  Entwurf grundlegend zu überarbeiten: Barrierefreiheit muss verbindlich  geregelt, die Rechtsdurchsetzung ermöglicht und das Verhältnis zum AGG  eindeutig geklärt werden.  

Berlin, 12.2.2026 


Kontakt: 

feli.margenfeld@antidiskriminierung.org
Tel.: 0155 633 486 36